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V.l.n.r.: em. Univ.-Prof. Dr. Johann Figl, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Palaver, Mag.a Dr.in Maria Harmer, Carla Amina Baghajati, Gerhard Weißgrab
09.12.2022

Podiumsdiskussion „Weltreligionen und Gewalt(losigkeit)“

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Gotteskrieger“ lud das Stift Klosterneuburg zu einer Podiumsdiskussion, an der auch ÖBR-Präsident Gerhard Weißgrab teilnahm.

 

„Religionen reden von Frieden, bringen aber Krieg“: Diese bewusst provokante Aussage formulierte Prälat Maximilian Fürnsinn und richtete sie einleitend an die hochkarätige Diskussionsrunde. Er betonte, dass das Stift Klosterneuburg ein „Ort des Gespräches“ ist und sein soll.

 

Am Podium diskutierten unter der Gesprächsleitung von Mag.a Dr.in Maria Harmer (Sozial- und Kulturanthropologin, freie Journalistin) der em. Univ.-Prof. Dr. Johann Figl (Religionswissenschaftler); Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Palaver (Theologe, Schwerpunkt: Systematische Theologie u. Christliche Gesellschaftslehre); Carla Amina Baghajati (Leiterin des Schulamtes der IGGiÖ Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich) und Gerhard Weißgrab (Präsident der ÖBR Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft).

 

Zur Sprache kamen Punkte wie die fehlenden positiven „Role Models“, die Instrumentalisierung der Religion sowie das Ego der Menschen als Kernpunkte für Konflikte. Der Dialog und die Fähigkeit zum Pluralismus sowie religiöse Bildung in der Schule waren weitere Ansätze.

 

Aufforderung zu einem friedlichen Zusammenleben


Im einleitenden Impulsvortrag von em. Univ.-Prof. Dr. Johann Figl wurde die zentrale Frage aufgeworfen, ob Religionen, insbesondere die großen Weltreligionen einen Beitrag zur Beendigung von kriegerischen Konflikten leisten können. Ja, obwohl oder gerade weil sie aufgrund ihrer Geschichte und konkreten Erfahrungen bis zur Gegenwart nicht nur Opfer sondern auch Mittäter von Kriegen waren.

 

Interreligiöser Dialog und die Pluralismusfähigkeit


Carla Amina Baghajati konvertierte zum Islam und zieht Parallelen zu den Hussitenkriegen, die in der aktuellen Ausstellung des Stiftes Klosterneuburg thematisiert werden. Sie entstanden aus einer Reformbewegung heraus. „Ich bin Optimistin und glaube an einen interreligiösen Dialog und die Pluralismusfähigkeit. Gerade in den Schulen muss man mit Vielfalt umgehen können.“ Sie betont vor allem die spirituelle Vielfalt, denn in Krisenzeiten wächst der Wunsch nach Identität.

 

Gewaltfreiheit ist nicht Feigheit


Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Palaver sieht die Verknüpfung von Gewalt mit „Wahrheit“ als Konfliktpotential: „Wir haben nicht die Wahrheit, wir können uns nur annähern.“ Mahatma Gandhi zitierend „Gewaltfreiheit ist nicht Feigheit“, weist er darauf hin, dass auch im Gewaltfreien Menschen Opfer bringen müssen. Zudem wird Religion oft instrumentalisiert. „Religionen müssen sich wehren und dürfen sich nicht instrumentalisieren lassen.“ Die Trennung von Politik und Religion ist seiner Meinung nach kaum möglich und geht an der Realität vorbei, denn Ansichten korrelieren oft. „Wer die Religion nicht versteht, versteht die Politik nicht.“

 

Es gilt das Ego aufzulösen


ÖBR-Präsident Gerhard Weißgrab sieht den interkulturellen Dialog als Schlüssel und betont, dass dieser in Österreich, im Gegensatz zu anderen Ländern, gut funktioniert. „Nicht die Wahrheit sondern der Weg dorthin ist entscheidend", lautet sein Credo. Ein großes buddhistisches Thema ist es, das Ego aufzulösen. Hier sieht Weissgrab die Probleme der Konflikte: „Das Ego ist Gift. Das oberste Gebot des Buddhismus lautet keine Gewalt. Denn bei Gewalt spielt immer das Ego eine Rolle.“ Zudem ist es notwendig, die Eigenverantwortung mehr ins Zentrum zu stellen sowie die Einsicht, das alles zusammenhängt: „Es muss ein Miteinander geben und man muss Diversität annehmen. Lernfähigkeit ist wichtig.“

 

Ausstellung Gotteskrieger
Stift Klosterneuburg: 29. April – 15. November 2022
groups@stift-klosterneuburg.at

 

Diskussion zum Nachsehen und Nachhören
Die Diskussion steht auf stift-klosterneuburg.at als Video-Aufzeichnung zur Verfügung.
Radio Klassik Stephansdom bringt eine Zusammenfassung der Diskussion am Freitag den 16.09.2022 um 17:30 Uhr

 

Foto: Manfred Krejci



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